Fachbereich Eingliederungshilfe und Arbeit

Unter der Trägerschaft des AWO Kreisverbandes Bonn/ Rhein-Sieg gibt es zahlreiche Einrichtungen der Eingliederungshilfe, die Hilfe leisten und Unterstützung anbieten.

Auf den folgenden Seiten werden wir die einzelnen Einrichtungen nach und nach vorstellen und hinter die Kulissen der täglichen Arbeit schauen:

  1. Dauerwohnheim Siegburg
  2. "Junges Wohnen" Siegburg
  3. Tagesstätte des SPZ Eitorf/Siebengebirge

Dauerwohnheim Siegburg

Ein Grundbedürfnis des Menschen ist das selbstbestimmte Wohnen im eigenen Zuhause. Bei vielen Menschen mit chronischen psychischen Erkrankungen ist diese Möglichkeit nicht mehr gegeben und sie benötigen intensive Betreuung.

Das barrierefreie Dauerwohnheim bietet auf vier Etagen 24 Einzelzimmer. Alle Etagen verfügen jeweils über eine Küche, ein gemeinsames Wohnzimmer und Sanitäranlagen. Im Erdgeschoss gibt es noch einen Begegnungsraum für alle BewohnerInnen.

Zur Betreuung stehen SozialpädagogInnen, SozialarbeiterInnen, ErzieherInnen, Krankenschwestern, KrankenpflegerInnen und eine Hauswirtschaftsfachkraft bereit.

Wir fragen bei der Einrichtungsleiterin, Frau Angela Wittek, nach:

Frage:
Seit wann gibt es Ihre Einrichtung?
A. Wittek:
Das Wohnheim wurde am 01.12.1999 eröffnet.
Frage:
Wie viele Mitarbeiter sind in Ihrer Einrichtung tätig?
A. Wittek:
Im Tagdienst arbeiten 9 Mitarbeiter(innen). Im Nachtdienst arbeiten 12 Mitarbeiter(innen).
Frage:
Welche Voraussetzungen sind zu erfüllen, um einen Platz in dem Dauerwohnheim erhalten zu könen?
A. Wittek:
Wichtigste Voraussetzungen sind die
  • Chronifizierung der psychischen Erkrankung.
  • Fremd und Eigengefährdung müssen ausgeschlossen sein.
  • eine Kostenzusage des LVR muss vorliegen.
  • Ein Interesse an einem Wohnheimplatz setzt die Freiwilligkeit des Interessenten voraus.
  • Motivation hinsichtlich einer möglichen Wiedereingliederung sollte gegeben sein.
Frage:
Wie lange bedeutet konkret „Dauer“-Wohnheim“? Wie lange muss ein/e Patient/in auf eines der 24 Zimmer in der Einrichtung warten?
A. Wittek:
Dauerwohnheim hat nichts mit einer konkreten Zeitdauer des Aufenthaltes zu tun. Die Länge des Aufenthaltes orientiert sich am Krankheitsverlauf und an den individuellen Entwicklungsschritten des jeweiligen Klienten. Es gibt eine Warteliste. Gerechnet werden muss auf alle Fälle mit einer Mindestwartezeit von sechs bis neun Monaten. Unabhängig davon haben wir ein besonderes Interesse daran, dass der jeweilige Bewerber(in) bzgl. seiner Kompetenzen und seines Krankheitsbildes in die Gruppenstruktur der vorgesehenen Wohngruppe passt.
Frage:
Wie sieht ein normaler Tagesablauf aus?
A. Wittek:
Je nach den Möglichkeiten der Bewohner(innen) sehen die Tagesabläufe unterschiedlich aus. Von Intec (integrative Werkstatt für Behinderte) über die Teilnahme an Ergo- oder Arbeits- bzw. Bürotherapie kommt es zu unterschiedlichen Arbeitszeiten außerhalb des Wohnheims. In der Regel wird in den Wohngruppen nur das Mittagessen gemeinsam (Bewohner und Betreuer(innen)) eingenommen.
Frage:
Nennen Sie uns doch bitte ein paar Beispiele für Arbeitstraining. Was wird da gemacht?
A. Wittek:
Als Einstieg dient normalerweise die Ergotherapie mit, je nach Belastungsfähigkeit, unterschiedlicher Stundenanzahl. In der Bürotherapie werden verschiedene Angebote, wie zum Beispiel leichte Bürotätigkeiten bis hin zu terminierten Druckaufträgen ausgeführt. In der Arbeitstherapie geht es häufig um die Bearbeitung von Möbeln, Wohnungsauflösungen, Verkauf von Second Hand- Ware und Gartenarbeiten. Je nach individueller Leistungsfähigkeit erfolgt der Einstieg stufenweise.
Frau Wittek, oft liegen ja Leid und Freude sehr dicht beieinander. Es wäre schön, wenn Sie mal ein Beispiel für eine besonders fröhliche Situation schildern könnten.

Die Leiterin erzählt uns: Ein einzelnes Beispiel fällt mir gerade nicht ein. Besonders fröhlich geht es aber häufig bei den gemeinsamen Mittagessen zu. Karneval und Sylvester werden je nach Wunsch der Bewohner zusammen gefeiert. Ganz besonders zu diesen beiden Anlässen bringt der Bewohnerbeirat konkrete Ideen ein. Auch die Festtage, wie z. B. Ostern und Weihnachten, werden in angenehmer Atmosphäre gemeinsam begangen.

Besonders beliebt sind die einmal im Jahr für eine Woche angebotenen Ferienfreizeiten ans Meer, oder, wie vorletztes Jahr von den Bewohnern gewünscht, auf einem Bauernhof im Münsterland……

Frau Wittek, wir bedanken uns sehr herzlich für die Zeit, die Sie sich für das Gespräch genommen haben und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg bei Ihrem und dem Engagement Ihrer KollegInnen.

Junges Wohnen Siegburg

Das "Junge Wohnen" (JuWo) ist eine stationäre Einrichtung des AWO Wohnverbundes. Sie ist konzipiert für junge Erwachsene mit psychischen Beeinträchtigungen im Alter von 18 bis 25 Jahren.

Um in einem der 9 Einzelzimmer in der Wohngrupe unterzukommen, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Eine diagnostizierte psychische Problematik
  • Eine Kostenzusage des Landschaftsverbandes bzw. evtl. auch des noch zuständigen Jugendamtes (sog. Hilfe für junge Volljährige)
  • Die Motivation des betreffenden jungen Menschen, sich auf eine unterstützte Tagesstruktur einzulassen.

Das JuWo verfügt über eine Wohnküche, einen gemeinsamen Speiseraum, ein gemütliches Wohnzimmer sowie über moderne Sanitäranlagen.

Innerhalb der Wohngruppe wird angestrebt, dass die jungen Menschen nach ihrem Aufenthalt ein eigenständiges Leben führen können. Hierbei spielt die Hilfe zur Wiedereingliederung in den Alltag eine große Rolle. Dazu gehören auch die Stabilisierung der jungen Menschen nach einem Klinikaufenthalt sowie die Unterstützung seitens der BetreuerInnen zur Wiederherstellung und zum Erhalt der Teilnahme am normalen Leben außerhalb der Einrichtung und nicht zuletzt der Arbeitsfähigkeit.

Das wichtigste Ziel dieser Maßnahme ist es, größtmögliche Selbstverantwortung und Selbstständigkeit zu erlangen, um auf Dauer mit so wenig Unterstützung wie möglich leben zu können.

Das „Beschäftigungsleben“ bzw. die Tagesstruktur in der Einrichtung besteht unter anderem aus:

  • der Etablierung einer zunächst minimalen Tagesstruktur (werktägliche gemeinsame Morgenrunde um 8.30 Uhr und gemeinsames Mittagessen um 12 Uhr)
  • durchgängigen regelmäßigen Einzelgesprächen bzgl. der jeweiligen psychischen Verfassung
  • dem Erlernen und Umsetzen hauswirtschaftlicher Tätigkeiten (Kochen, Putzen, Wäschewaschen, Einkaufen usw.)
  • der Förderung sozialer Kompetenzen im gemeinsamen Gruppenalltag
  • der Begleitung bzw. Unterstützung bei behördlichen oder gesundheitsbezogenen Terminen
  • der gemeinsamen Bearbeitung postalischer und sonstiger Angelegenheiten (z.B. auch Unterstützung bei der Schuldenregulierung)
  • der zunächst niedrigschwelligen arbeitstherapeutischen Beschäftigung (z.B. im Rahmen der im selben Haus angebotenen Ergotherapie oder in der fußläufig erreichbaren Bürotherapie)
  • der Unterstützung bei der Suche nach Praktika, bei Bewerbungen oder beim Besuch schulischer Angebote im Wohnumfeld

Die Teilnahme an weiteren wohnortsnahen und fußläufig erreichbaren Arbeitstrainings- und Beschäftigungsangeboten des AWO-Kreisverbandes runden die Angebotspalette ab und stellen auch einen festen Bestandteil der tagesstrukturellen Möglichkeiten für die BewohnerInnen dar. Hier gibt es die Möglichkeit der Beschäftigung in dem AWO-Sozialkaufhaus „BrauchBar“, in dem diesem angeschlossenen Café „WunderBar“, in dem AWO-Fahrradladen „Radhaus“, in dem AWO-Second-Hand-Laden „Jacke wie Hose“ sowie in der Grünflächenpflege der zahlreichen AWO-Kindergärten.

Es findet ein Einsatz je nach individuellen Vorlieben, Möglichkeiten und individueller Belastbarkeit sowie mit regelmäßigen reflektorischen Gesprächen mit den jeweils zuständigen ArbeitsanleiterInnen statt, in dessen Rahmen die Belastbarkeit ggf. auch kontinuierlich gesteigert werden kann.

Die Freizeit kommt im JuWo auch nicht zu kurz. So werden beispielsweise jeden Freitag regelmäßige Freizeitaktivitäten angeboten (gemeinsame Ausflüge, Bowling, Billard, Kinobesuche usw.). Auch unter der Woche können gemeinsame Aktivitäten stattfinden, wie z.B. allgemeine gemeinsame Einkäufe oder Shopping, um das vom Kostenträger bereitgestellte Bekleidungsgeld umsetzen zu können.

Das JuWo wurde als Außenwohngruppe des AWO-Wohnheims der Schumannstraße 6 in Siegburg konzipiert, unterscheidet sich jedoch durch die relativ hohen Betreuungszeiten von den anderen Außenwohngruppen des AWO-Wohnverbundes. Die Betreuungszeiten durch das multidisziplinäre Betreuungsteam, aktuell bestehend aus einer Sozialpädagogin, einer Hauswirtschafterin, einem Krankenpfleger sowie einem Psychologen, sind in der Regel Montags bis Freitags von 7.30 Uhr bis 18.30 Uhr.

Da im JuWo BewohnerInnen mit den unterschiedlichsten psychischen Erkrankungsbildern Aufnahme finden, liegt der Schwerpunkt auf der sozialpädagogischen Betreuung, orientiert an der Unterstützung und Förderung alltagspraktischer Kompetenzen und Fähigkeiten.

Im Rahmen des Gruppensettings der Einrichtung soll es den Bewohnerinnen ermöglicht werden, ein größtmöglich „normales“ Leben zu führen und neben den alltagspraktischen Fähigkeiten auch soziale Kompetenzen auszubauen bzw. wieder zu erlernen, um so einer Chronifizierung bzw. langjährigen Beeinträchtigung durch die psychische Problematik entgegenzuwirken, hin zu gesteigerten Selbstwirksamkeitserfahrungen und perspektivischer Eigenbewältigung des Alltags.

Entsprechend wird im Anschluss an das Wohnen im JuWo auch eine ambulante Weiterbetreuung durch ein eigenes Betreuungsteam (sog. „BeWo in der Fabrik“) angeboten.

Die spezielle psychotherapeutische und medizinisch-psychiatrische Behandlung findet extern statt, wird jedoch durch die Unterstützung und Begleitung bei der Therapiesuche, durch die Unterstützung bei der Umsetzung therapeutisch verordneter Interventionen im Gruppenalltag, durch die Begleitung bei psychiatrischen Facharztterminen, durch die Betreuung der Medikamentenvergabe und –neubestellung sowie durch evtl. notwendige begleitete Vorstellungen in der psychiatrischen LVR-Klinik in Bonn von JuWo-Seite gefördert.

Die Finanzierung des Wohnens und der Betreuung im JuWo erfolgt über zweckgebundene Pflegesätze, die in der Regel vom überörtlichen Träger der Sozialhilfe nach SGB XII übernommen werden. Kostenträger sind hier der Landschaftsverband oder auch die Jugendämter (Hilfe für junge Volljährige nach §35a KJHG).

Für selbige wird bzgl. jeder/s BewohnerIn ein individueller Hilfeplan bzw. ein Entwicklungsbericht mit entsprechenden Zielformulierungen erstellt, aus dem sich dann der (ggf. mit den Jugendämtern in einem Hilfeplangespräch noch weiter erörterte) individuelle Unterstützungsbedarf und der im JuWo alltagspraktisch umsetzbare Maßnahmeplan ergeben. Darüber finden regelmäßige Auswertungsgespräche und ein enger Austausch mit den Kostenträgern statt.

Wir haben Volker Theiss, Diplom-Psychologe und Mitarbeiter des Jungen Wohnens, gefragt:

Frage:
Herr Theiss, seit wann ist Ihre Einrichtung aktiv?
V. Theiss:
Oh, das war bereits lange vor meiner Zeit. Ich persönlich bin erst seit ca. 5 Jahren im JuWo tätig, welches nun bereits schon seit knapp 15 Jahren besteht.
Frage:
Wie viele Mitarbeiter sind in Ihrer Einrichtung tätig?
V. Theiss:
Insgesamt sind wir 5 Kolleginnen und Kollegen. Zu Dritt sind wir im werktäglichen Betreuungsdienst -strukturiert durch einen Früh-, Zwischen- und Spätdienst- tätig. Hinzu kommen von morgens bis nachmittags unsere Hauswirtschafterin und im Krankheitsfall unsere derzeitige sehr kompetente Aushilfskraft.
Frage:
Ist das eine 24-Stunden-Betreuung?
V. Theiss:
Nein. Wie im Konzept beschrieben, werden unsere BewohnerInnen werktags von 7.30 bis 18.30 Uhr betreut. Bis vor ca. einem Jahr hatten wir für die betreuungsfreie Zeit, also abends und nachts ab 18.30 Uhr sowie an den Wochenenden und Feiertagen, eine Rufbereitschaft für akute psychische Krisenfälle eingerichtet, die aber von BewohnerInnen-Seite kaum in Anspruch genommen wurde bzw. werden musste und damit eingestellt wurde. (...)
V. Theiss:
(...) Da das Hauptziel der BewohnerInnen darin besteht, nach der Zeit im JuWo, die im Durchschnitt ca. 3 Jahre beträgt, alleine und eigenständig wohnen zu können, stellt die betreuungsfreie Zeit zudem ein gutes Erprobungsfeld dar. Selbstverständlich werden bei sich ankündigenden psychischen Problemlagen im Vorfeld beispielsweise mögliche Handlungspläne gemeinsam erarbeitet oder ggf. regelmäßige Telefonkontakte vereinbart usw.
V. Theiss:
Des Weiteren hat jede/r BewohnerIn bei Einzug mit den BetreuerInnen einen sog. Krisenplan gemeinsam erarbeitet, der regelmäßig aktualisiert wird.
Frage:
Wie lange muss ein junger Mensch in der Regel auf ein Zimmer im JuWo warten?
V. Theiss:
Das ist unterschiedlich. Wir führen eine Warteliste. Ein sog. Infogespräch, in dem man sich unverbindlich das JuWo anschauen kann und von Betreuerseite etwas umfangreicher über das JuWo erzählt und berichtet wird, können wir bei Interesse jederzeit und zeitnah vereinbaren. (...)
V. Theiss:
(...) Hat der junge Mensch weiteres Interesse am JuWo, werden drei zeitlich auseinanderliegende Probetage vereinbart, an denen sich der junge Mensch ca. von Morgens bis Nachmittags, also ohne Übernachtung, den Tagesablauf im JuWo nochmal genauer anschauen kann und wir mit dem jungen Menschen nochmal näher ins Gespräch kommen. (...)
V. Theiss:
(...) Da es sich um eine Wohngruppe, insbesondere mit betreuungsfreien Zeiten handelt, ist es sehr wichtig dabei zu eruieren, ob der junge Mensch mit seinen Problemlagen in dem jeweils bestehenden Gruppengefüge zurecht käme und dies auch über Nacht und an Wochenenden etc. (...)
V. Theiss:
(...) Können sich beide Seiten eine Zusammenarbeit vorstellen und die bestehenden BewohnerInnen auch ein Zusammenwohnen mit dem jungen Menschen vorstellen, so hängt dann erstmal alles Weitere davon ab, ob in absehbarer Zeit ein Zimmer frei werden könnte, ob und wieviele Personen bereits auf der Warteliste stehen und ob natürlich der jeweils in Frage kommende Kostenträger (Landschaftsverband bzw. Jugendamt) die Kosten für ein Wohnen im JuWo überhaupt bewilligt.
Frage:
Wie sieht ein normaler Tagesablauf aus?
V. Theiss:
Einen normalen Tagesablauf gibt es kaum, wenn man mit jungen Menschen zusammenarbeitet. Zudem stellt sich mir auch immer täglich neu die Frage, was denn „normal“ überhaupt ist bzw. bedeutet. Ich denke, „normal“ gibt es gar nicht und halte es persönlich mit Alfred Adler, der im Rahmen seiner Individualpsychologie stets konstatierte, dass alles vielleicht auch immer ganz anders sein kann. (...)
V. Theiss:
(...) Wie dem auch sei, um 7.30 Uhr kommt der Frühdienst ins JuWo und weckt gegen 8.30 Uhr alle anwesenden BewohnerInnen, d.h. außer diejenigen, die aufgrund von Arbeitstraining, Ausbildung oder Schulbesuch etc. schon aus dem Haus sind. Bis ca. 9 Uhr setzen wir uns im Wohnzimmer zusammen und besprechen den weiteren Tag. (...)
V. Theiss:
(...) Danach finden Einzelgespräche statt, BewohnerInnen werden zu eventuellen Terminen begleitet, Austausch mit den ArbeitsanleiterInnen findet statt, ein/e BewohnerIn übernimmt unterstützt von unserer Hauswirtschafterin den täglichen Einkaufs- und Kochdienst, administrative und bürokratische Angelegenheiten werden im Büro erledigt usw. Gegen 12 Uhr findet das gemeinsame Mittagessen statt. Auch dabei findet ein stetiger Austausch mit den BewohnerInnen statt. (...)
V. Theiss:
(...) Danach gestaltet sich der weitere Tag entsprechend den jeweiligen Terminen der BewohnerInnen (Arbeitstherapie, Therapietermine, gemeinsame Posterledigungen, Einzelgespräche bzgl. der jeweiligen Befindlichkeiten usw.). Genauere Angaben kann man nie machen, da sich auch viele Tagesaufgaben, Probleme etc. erst im Laufe des Tages dynamisch ergeben. (...)
V. Theiss:
(...) Die BewohnerInnen des JuWo sind ja alle sehr jung und individuell psychisch sehr unterschiedlich belastet, was eine große und immer wieder überraschende Dynamik in sich birgt und stetiges flexibles Arbeiten, Handeln und Problemlösen verlangt. Gegen 18 Uhr findet ein abschließender Kontakt mit allen im JuWo befindlichen BewohnerInnen statt und um 18.30 Uhr verlässt die/der KollegIn des Spätdienstes in der Regel das JuWo.
Frage:
Herr Theiss, sicher gibt es Erfolgsgeschichten und Rückschläge. Es wäre schön, wenn Sie uns hier vielleicht ein Beispiel für eine besonders erfolgreiche „Story“ schildern könnten.
V. Theiss:
Sehr gerne. Grundsätzlich sehe ich es als einen Erfolg an, wenn eine adäquate Lebensqualität für den jungen Menschen etabliert bzw. wiederhergestellt werden konnte. Das kann schon darin bestehen, dass es jemand, der über Jahre unter seinen psychischen Beeinträchtigungen gelitten hat, es geschafft hat, nun –evtl. nur noch mit wenigen Hilfen- alleine leben zu können. Es geht mir hier also in erster Linie um die subjektive Lebensqualität des betreffenden Menschen selbst. (...)
V. Theiss:
(...) Sehr schön ist es natürlich, wenn man z.B. miterlebt, wie ein junger Mensch, der zuvor obdachlos und psychisch sehr beeinträchtigt war, im Laufe der Betreuung wieder eine geregelte Tagesstruktur etabliert, eine Ausbildung beginnt und dann aus dem JuWo in eine eigene Wohnung auszieht. Letztendlich stellt bei alldem der Schlüssel dafür die Bewältigung oder zumindest die Arrangierung mit der jeweils individuellen psychischen Belastung dar, welcher nur über die kontinuierliche Förderung und Steigerung von im Alltag immer wieder neu erlebter Selbstwirksamkeitserfahrung erlangt werden kann. (...)
V. Theiss:
(...) Und zu dessen alltagsnaher sowie alltagspraktischer Begleitung und Förderung sind wir als BetreuerInnen da.

Vielen Dank, dass Sie sich – trotz extremer Arbeitsbelastung – die Zeit genommen haben, uns Rede und Antwort zu stehen! Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg mit Ihrer und der Arbeit Ihrer KollegInnen!

Tagesstätte des SPZ Eitorf/Siebengebirge

Die Tagesstätte des Sozialpsychiatrischen Zentrums in Eitorf bietet Hilfen bei sozialer und beruflicher Integration psychisch erkrankter Erwachsener und bietet maximal 22 betroffenen Personen aus den Gemeinden Eitorf, Neunkirchen-Seelscheid, Much, Windeck und Ruppichteroth sowie den Städten Bad Honnef und Königswinter eine

  • Tagesstruktur
  • soziale Integration
  • ruhige und überschaubare Umgebung sowie als Ziel
    • Stabilisierung der psychischen und physischen Gesundheit und die
    • berufliche (Wieder-)Ein-Gliederung.

Das professionelle Team setzt sich aus Mitgliedern der Berufsgruppen Ergotherapie, Sozialarbeit und Heilpädagogik zusammen.

Die Klienten, die die Tagesstätte aufsuchen können, müssen folgende Voraussetzung mitbringen:

  • die Bereitschaft, mindestens an drei Tagen in der Woche die Tagesstätte aufzusuchen
  • der Landschaftsverband Rheinland (LVR) hat die Teilnahme in Absprache mit dem zuständigen Sozialhilfeträger genehmigt.

Nachfolgende Kriterien sind für eine Kostenübernahme zu erfüllen:

  • die festgestellte psychische Erkrankung besteht seit mindestens sechs Monaten
  • fachärztliche Diagnose und eine entsprechende Bescheinigung
  • fachärztliche Begleitung
  • Volljährigkeit
  • Nachweis über das Einkommen (Sozialhilfe, Rente, Grundsicherung…)

Ausgenommen von einem Besuch der Tagesstätte sind Suchtmittelabhängige und Menschen mit geistigen Behinderungen sowie Menschen im Arbeitslosengeldbezug.

Das Tagesstätten-Team hat die vielfältigen Aktivitäten in einzelne, ineinandergreifende Konzeptphasen zusammengefasst. Das sind die Orientierungsphase, die Basisphase, die Projektphase und das Sprungbrett. Hierzu verweisen wir auf die gesonderte Phasen-Darstellung in unserer Rubrik.

Für alle Menschen, die ihren Platz in der Tagesstätte gefunden haben, gilt zunächst die langsame und behutsame Annäherung an eine aktive Teilnahme. Viele benötigen anfangs viel Zeit zur Orientierung/Eingewöhnung und brauchen dafür Ruhe und auch Zeit zur Entspannung bzw. zum Rückzug.

Orientierungsphase

Nach und nach ist dann – je nach eigenem Ermessen – die Teilnahme an Mahlzeiten, der täglich stattfindenden Morgenrunde, an den Arbeitsgruppen und an den Nachmittagsangeboten möglich. Zur individuellen Förderung gehören regelmäßige Einzelgespräche mit dem jeweiligen Bezugsbetreuer.

Einmal angekommen, geht es dann in Teilschritten weiter, wobei immer wieder auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten der Klienten Bezug genommen wird. Es können schon erste, kleinere Aufgaben übernommen werden, wie z.B. die Teilnahme an Arbeitsgruppen, Blumengießen, Hilfe in der Küche und weitere Alltagsverrichtungen.

Basisphase

In der Basisphase finden sich dann die Klienten zusammen, die regelmäßig an mindestens drei bis fünf Tagen in der Woche die Tagesstätte aufsuchen und mindestens die Hälfte der Arbeitsphasen (2 1/2 Stunden) mitarbeiten.

Projektphase

In der Projektphase können die Klienten ihre individuellen Fähigkeiten über den festen Arbeitsbereich hinaus mit einbringen. Beispielhaft seien hier nur einige der zahlreichen Angebote in der Tagesstätte genannt:

  • Tagesstätten-Sprecherteam
  • SPZ-Echo (eigene Tagesstättenzeitung, die zweimal jährlich erscheint)
  • Ausflüge
  • Beteiligung am Weihnachtsmarkt in Eitorf
  • Allgemeine Bürotätigkeiten
  • Gartenprojekt

Mit der aktiven Teilnahme an den Projekten, werden Zuverlässigkeit, Selbständigkeit, Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Flexibilität, Selbsteinschätzung/Kritikfähigkeit gestärkt und in dieser Phase auch das Einbringen eigener Ideen und Fähigkeiten angestrebt.

Sprungbrettphase

Ziel in der Sprungbrettphase ist es, dass sich der Klient langsam „abnabelt“ und fit wird für den nächsten individuelle Lebensabschnitt nach der Tagesstätte.

Hierzu möchten wir Ihnen auszugsweise einmal einen Eindruck einer Teilnehmerin widergeben, die ihr „Leben nach der Tagesstätte“ so beschreibt:

„Es ist schwer, mit Veränderungen klarzukommen, aber es funktioniert. Ich habe viele neue Leute kennengelernt, mit denen es nicht immer einfach ist, aber ich habe auch Leute kennengelernt, mit denen ich lerne, was Freude und Zufriedenheit ist. Viele neue Erfahrung, die ich so vorher nicht kannte. … Ich habe immer noch Auf’s und Ab’s, aber ich probiere, das Beste daraus zu machen und Lösungen auch mal ohne Hilfe zu suchen und es funktioniert oft gut. Es ist gut, nach Hilfe zu fragen und auch anzunehmen. … Meine Woche habe ich mir selber festgelegt. Von der Betreuerin aus der Tagesstätte habe ich gelernt, wie man sich richtig am Körper abklopft, aber nicht um sich wehzutun, sondern um sich zu spüren. Und es hilft.“

Mehr über die Inhalte der einzelnen Arbeits- und Projektgruppen erfahren Sie in unserem Beitrag „Nicht das Leben mit dem Tag, sondern den Tag mit Leben füllen“.

Also, lohnt es sich, hin und wieder auf unserer Internet-Seite vorbeizuschauen!

Und hier nun noch wichtige Adressen und Telefonnummern:

Sozialpsychiatrisches Zentrum der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Bonn/Rhein-Sieg e.V.

Tagesstätte und Kontaktstelle Eitorf

Siegstraße 16
53783 Eitorf

Tel.: 02243 82 67-0
E-Mail: tagesstaette.spz@awo-bnsu.de

Öffnungszeit der Kontaktstelle: jeden Donnerstag von 14:00 bis 18:00 Uhr

Sozialpsychiatrisches Zentrum der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Bonn/Rhein-Sieg e.V.

Kontaktstelle Niederdollendorf

Hauptstraße 109
53639 Königswinter-Niederdollendorf

Tel.: 02223 25 22-0 (Außerhalb der Öffnungszeiten: 02243/84758-0)

Öffnungszeit der Kontaktstelle: jeden Dienstag von 14:00 bis 18:00 Uhr